La Réunion travel diary

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12.08.2019

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Nach 12 Stunden Flug ab Paris ist La Réunion ein Reiseziel das nicht mal eben so schnell zu erreichen ist. Kurz gesagt: Man braucht ordentlich Sitzfleisch und ein Flugzeugklimaanlagen aushaltendes Immunsystem. Einmal angekommen stellt sich die Insel mitten im Indischen Ozean für abenteuersuchende Urlauber als inselgewordene Eierlegende-Wollmilchsau heraus. Das Klima ist fantastisch, die Bewohner der Insel unglaublich freundlich, die Natur mehr als außergewöhnlich - Wale sind vom Strand aus zu beobachten - große Wasserfälle, Quellen zum Baden, Vulkane, die Heimat des ausgestorbenen Dodo und und und.... Der einzige Haken: HAIE!!! Dementsprechend sind Baden und Surfen nur in erlaubten Bereichen zu empfehlen, da statistisch gesehen die Chance Opfer eines Haiangriffs zu werden auf La Réunion 1000 mal höher ist als vor den Küsten Australiens und Südafrikas. Extrem motiviert und voller Tatendrang holten wir gleich am ersten Tag unseren Mietwagen ab und stellten fest, dass Englisch als Weltsprache hier noch nicht komplett angekommen ist. Zum Glück ist Matthis des Französischen einigermaßen mächtig und im Gestikulieren der absolute König, sodass die Formalitäten schnell geklärt waren. Zitat Matthis: „Französische Autos sind alle scheiße aber hoffentlich haben wir keinen Peugeot!“ Kurze Zeit später fuhren wir mit einem Peugeot 108 in violett vom Hof:-) Der erste Gang röhrte, es ruckelte beim Anfahren: The adventure began.....!

 

Cap Noir. Ein spektakulärer Aussichtspunkt mit Blick in die Talkessel. Spektakulär, war für uns zu diesem Zeitpunkt der Reise vor allem die Straße. Sie war nicht nur schmal und fiel auf der einen Seite ca. 1m tief ab, sondern war auch recht „kurvig“. Kurvig heißt eine komplette Kehre nach der anderen mit gefühlten 50% Steigung und dem ersten Gang im Dauerzustand. Oben angekommen ging es zu Fuß weiter über Lavatreppen, Geröll und Passagen, an denen wir uns an Stahlseilen festhalten mussten bis zum Aussichtspunkt. Der Wahnsinn! Auf dem Rückweg wollten wir noch kurz das Bassin Malheur zur Abkühlung besuchen. Nur 5 km von unserem Hotel entfernt machten wir uns auf den Weg - vorbei an den großen Verbotsschildern, die Matthis nie interessieren und in mir zumindest immer ein kurzes Nachdenken veranlassen. Den gesamten Weg läuft man dabei auf einer kleinen etwa 30 cm breiten Mauer....links sind Felsen und Klippen....rechts geht es meist mehrere hundert Meter weit runter. Man wächst nun mal mit seinen Aufgaben. Nachdem wir 3 Höhlen mit Taschenlampe durchkrochen und das Flussbett gequert hatten, standen wir komplett durchgeschwitzt vor dem ersten kristallklaren Wasserbecken. Einfach UNGLAUBLICH – und in totaler Dunkelheit zurück ins Hotel. Wir waren definitiv auf der Insel angekommen: Lerneffekte heute: Kurvig – heißt: Lenkrad auf Anschlag, erster Gang und Vollgas. kurz – heißt: Trotzdem mindestens 2 km Weg ohne Gewähr auf den Schwierigkeitsgrad des Weges.

5 Uhr morgens: DER WECKER GIBT ALLES!

Raus aus den Federn und rauf auf 2100m, um den Sonnenaufgang auf dem Maido zu erleben. Einziges Problem....Matthis und der Peugeot sind noch keine richtigen Freunde. Unter Zeitdruck fuhren wir los....allerdings ohne Licht....das anfangs nicht so wollte wie wir. Fernlicht ja, aber das normale Licht rührte sich nicht. Dementsprechend erhöhter Schwierigkeitsgrad für Matthis. Es war stockdunkel, die Straße war kurvig, fiel an der Seite 1m ab und die Uhr tickte. Klare Aufgabenverteilung: Matthis gibt trotzdem Gas und ich verfolge die Strecke auf dem Navi und kategorisiere die Kurven. Leichte Kurve, starke Kurve, extreme Kurve. Funktionierte super....kotzübel war mir trotzdem. 5 Minuten vor Sonnenaufgang waren wir am Parkplatz, raus aus dem Auto, Steintreppen hoch und ran an die Bergkante. Auch auf die Gefahr hin, dass es klischeemäßig und kitschig klingt......Sonnenaufgänge sind ja immer sehenswert - aber auf 2100m, wenn die Sonne hinter den gegenüberliegenden Gipfeln hervorkommt - ist der Sonnenaufgang einfach unbeschreiblich. Wieder im Auto ging plötzlich das Licht völlig problemlos an...woraufhin wir kurz überlegten, ob der Peugeot uns ärgern, unsere Fahrfähigkeiten testen wollte oder ob wir beide doch noch zu müde waren, um das Licht des französischen Autoherstellers richtig zu bedienen. Der weitere Tag führte uns zum schwarzen Lavastrand, L´Étang, der mich zum Strandgut sammeln animierte, Matthis Begeisterung für die 4 Meter Wellen weckte und zum Cascade Grand Galet - einem der schönsten Wasserfälle der Insel.

 

Der Weg zum Wasserfall entfachte erneut unsere Abenteuerlust. Kurvig und einspurig schlich sich die Straße entlang eines Flusses durch den Regenwald. Dann kamen die klapprigen Brücken, die wir ohne Probleme querten doch dann kamen DIE KURVEN! DIE KURVEN waren 5 extreme Kehren mit gefühlten 65% Steigung. Dazu so schmal, dass Gegenverkehr ein existentielles Problem darstellt, zumindest für denjenigen, der den Berg hochfährt. Wir betrachteten das Schauspiel kurz von unten, sahen viele Autos, die vergeblich versuchten den Berg zu erklimmen und erkannten die Einheimischen an einer Taktik. Lerneffekt heute: Bei einspurigen extremen Kurven oder Verkehrsengen vorher laut hupen!!! Unser Plan war geschmiedet, Matthis ging 2 Kurven hoch und betrachtete diese, ich wartete im Auto auf das OK, um den Berg mit unserer violetten 30 PS Möhre zu besteigen. Das OK kam, ich fuhr los, 1. Gang, hupen und GAAAAAAASSSSS. Mein Adrenalinspiegel stieg, mein Fuß presste das Gaspedal auf das Bodenblech, ich hupte was das Zeug hält und kletterte die Kurven hoch.

 

PUH! Nicht darüber nachdenken, was gewesen wäre, wenn der Gegenverkehr nicht gestoppt hätte. Am Wasserfall angekommen stellten wir schnell fest, dass wir diesen nicht nur vom Gitter aus betrachten wollen und schlüpften in alter Manier unter dem Zaun durch, kletterten über Steine, die so groß wie Autos waren und krabbelten Wurzelwände herunter. Und zack, da standen wir direkt vor dem Wasserfall und genossen die grandiose Aussicht.

 

Kaum hatten wir den Wasserfall verdaut, seilten wir uns bereits am Cap Jaune ab, um erneut den besten Blick zu erhaschen. In die rote Felsenküste knallten die Wellen gute 5m hoch hinein, sodass die Geräuschkulisse dem Wacken Open Air Festival glich und uns unseren Muskelkater vergessen lies. Auf in den Leaderprice, um für das Abendessen einzukaufen und am Stand gemütlich den Tag ausklingen zu lassen.

Den nächsten Tag starteten wir deutlich entspannter mit einer kleinen Besichtigungstour in der Hauptstadt Saint Denis, um im Anschluss einen der kunterbunten Hindutempel in Saint Andre zu bewundern. Nach einem halben Tag Aufenthalt in den Städten zog es uns dann aber schnell wieder in die deutlich beeindruckendere Natur, die auf der Insel vorherrscht. Auf zum Foret des Belouve. Nach einer wunderschönen Hinfahrt durch Wälder und Felder mit tollen Aussichten kamen wir im tiefsten Regenwald an. Geheimnisvoll und wie im Märchen, riesige Farne, Bananenpflanzen und Lianen versperrten den Weg, sodass wie immer Klettern angesagt war. Unsere Wanderung führte uns weit in den Regenwald hinein bis wir an der Wasserfallschlucht, dem Tou de Fer angekommen waren. Der Rückweg zog sich - die gelaufenen 20 km saßen uns in den Knochen- und der Strand mit Palmen und Nadelbäumen direkt vor unserem Hotel warte darauf, an der selben Stelle wie jeden Abend von unserem Baguette und dem besten französischen Käse vollgekrümelt zu werden. Währenddessen schmiedeten wir den Plan für den nächsten Tag.

Spontan wie wir sind schmissen wir diesen am nächsten Morgen sofort wieder um und machten uns auf dem Weg zu Le Vulcan, dem Piton de la Fournaise. Der Weg zu einem der aktivsten Vulkane der Welt kurvte sich bis auf eine Höhe von knapp 2000m durch unterschiedliche Vegetationen und Klimaschichten hinauf. Angekommen in der endlosen Lavawüste mit knallrotem Vulkansand wanderten wir zu mehreren Kratern und dachten nicht nur einmal an die vielen Vorschriften und Absperrungen, die es in Deutschland gäbe und hier vergebens gesucht werden. Ein kleiner Hinweis, dass die Kanten brüchig sein könnten - und schon standen wir an riesigen Vulkankratern, die nur 2 Wochen vor unserem Besuch das letzte mal wie wild mit Lava herumspukten. Wie schön es doch sein kann ohne hunderte Gesetze und gläserne Absperrungen. Zudem wären diese Krater in Deutschland so weiträumig abgesperrt gewesen, dass nur ein Fernglas für 2 Euro die tatsächliche Entfernung für wenige Minuten hätte kompensieren können. In diesem Sinne....ein Hoch auf die nicht vorhandenen Vorschriften und weiter zum Bassin Aigrettes, einer Lagune mit versperrtem Weg. Diesmal ohne Tunnel und Taschenlampe, dafür mit Neoprenanzug und GoPro- ActionCam. Nach einem „kurzen Weg“ (mindestens 2 km:-) durch Bachläufe und überschwemmte Kanäle sprangen wir voller Begeisterung in das kristallklare Wasser direkt unter dem Wasserfall. Wir schwammen und machten Rollen vorwärts und rückwärts, Handstände usw. Am Abend stellten wir auf den Videoaufnahmen jedoch fest, dass wir nicht die einzigen waren die sich in dem Wasser wohl fühlten....und ganz ehrlich, war ich mir im Nachhinein nicht mehr sicher wie unbeschwert meine Handstände gewesen wären, wenn ich gewusst hätte, wie groß die schwimmenden Bewohner des Beckens sind.

Zur Abwechslung hatten wir am nächsten Tag einen wirklichen Plan, zogen unsere Sportsachen an und machten uns auf den Weg nach Cilaos, ins älteste Dorf Frankreichs mitten im Herzen von La Réunion mit wirklich wunderschönen Häuschen und Straßen. Die Straße dahin besitzt 432 Kurven, die wie immer extrem steil sind und sich teilweise wieder selbst kreuzen. Das mit dem Hupen kannten wir ja bereits. Doch damit nicht genug - die Straße der 432 Kurven beheimatet auch einige Tunnel – Pardon – Erdlöcher von 2x3 Metern ohne Beleuchtung. Uns schockte nichts mehr – hupen – erster Gang – Vollgas – Rechtskurve – hupen – erster Gang - Vollgas – Linkskurve - angekommen! Unser Plan: Eine 4 Stunden Wanderung zu La Chapelle, einer Felsspalte, die einer Kathedrale gleicht wenn zwischen 10 und 12 Uhr morgens das Licht durch die Deckenspalte hineinfällt. Uns saß also nicht nur der Weg bis dort hin, sondern auch die Zeit im Nacken.

 

Das erste Schild zeigte 1 Stunde 30 – sollte machbar sein. Wir kletterten zahlreiche Lavatreppen und Steine herunter, seilten uns an Bäumen ab, querten mehrfach kleinere Flüsse, kletterten noch mehr Steine herunter, bewunderten mit etwas mulmigem Gefühl die zahlreichen Seidenspinnen und krakselten noch mehr Abhänge hinunter, sodass wir am Ende fast 800 Höhenmeter hinuntergeklettert waren. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir getrieben von der Zeit noch nicht an den Rückweg, denn das Flussbett kam in Sicht. Laut Rother Wanderführer musste man genau dieses mehrfach kreuzen und dann wäre der Eingang von La Chapelle lediglich noch von Steinen etwas verdeckt. Klingt einfach.... aber, dass der Fluss inmitten von Wasserfällen und Stromschnellen zu queren ist und man selbst bis zur Hüfte im Wasser steht, dass die Steine, die den Eingang verdecken so groß sind wie LKW.....stand nicht im Rother Wanderführer:-) Wir kletterten was das Zeug hielt – immer etwas auf gut Glück, denn ausgeschildert war auch hier kein Weg. Wir gingen ganz nach dem Motto „Da sieht es einfacher aus und Guck-mal-da-ist-ein-Fußabdruck“. Der Weg wurde natürlich entschädigt als wir tatsächlich in La Chapelle zur richtigen Zeit hinein marschierten – bzw. fast schwammen, denn das Wasser ging hier bis zur Brust, um die Kapelle in sonnendurchflutet bewundern konnten.

 

Als wir zurück kletterten und unseren Ausgangspunkt am Fluss wieder errichten passierte es – ich knickte um, sackte zusammen und konnte nicht mehr auftreten. Das war der Moment an dem Matthis und ich das erste mal bewusst an den Rückweg dachten und wie wir zum Teufel die 800 Höhenmeter wieder hoch kommen sollen. Mein Fuß erholte sich....der Rückweg jedoch brachte uns tatsächlich an unsere Grenzen. Fast 2 Stunden kletterten wir in der prallen Sonne die Berge und Treppen über Geröll und Steine hoch, wohl wissend das ein falscher Tritt die spektakulären Aussichten und Tiefen zum Verhängnis werden lassen könnte. Liebe Autoren des Rother Wanderführers, wir sind wirklich sehr fitte Leute mit guter Kondition usw. aber diese Tour als mittelschwer mit kleinen Steigungen und einfachen Flussbettquerungen einzustufen, lässt in unseren Köpfen ein großes Fragezeichen erscheinen. Wir empfehlen reduzierten Konsum der Trompeten-Planzen, bevor der nächste Wanderführer geschrieben wird. Matthis und ich waren uns einig, dass dies definitiv das Anstrengendste war,was wir jemals gemacht haben und wahrscheinlich für lange Zeit auch machen werden. PUH!!!

Nach der Höchstanstrengung gestern ließen wir es die kommenden Tage etwas entspannter angehen. Am Freitag besuchten wir einen Wochenmarkt in Saint Paul, kauften ein cooles Holzschild für zu Hause welches nur mit vielen Tricks in den Koffer passte und machten einen Ausflug zum Cap Mechant mit den höchsten Wellen die wir je gesehen haben. Samstag schauten wir uns in Saint Rose die Lavaströme an die vom Piton de la Fournaise bis zum Meer flossen, schauten uns den Cascade Niagara an und besuchten die bekannte Pilgerstätte Notre Dame des Laves, eine Kirche die dem Lavastrom von 1977 knapp entgangen ist.

Warum, weiß man nicht aber der Lavastrom teilte sich nur 1m vor der Kirche, sodass diese völlig unbeschädigt blieb. Wenn da der Liebe Gott nicht mal seine Finger im Spiel hatte.

 

Rückblickend war dies ein absolut unbeschreiblicher Urlaub mit faszinierender Natur, sehr entspannten Bewohnern und einem wahnsinnigem Flair. Als Tipp geben wir jedoch allen zukünftigen La Réunion Reisenden folgendes mit auf den Weg. Man braucht definitiv einen Mietwagen, jede menge Kondition, Beinmuskeln die einiges aushalten, keine Höhenangst, Trittsicherheit und jede Menge Abenteuerlust, denn diese Insel ist definitiv nichts für Weicheier, Badenixen und Strandbruzzler.

Wir wären nicht wir, wenn wir diesen Trip nicht in bewegten Bildern festgehalten hätten – also schaut euch definitiv unseren von Matthis frisch fertig gestellten und aus tausenden Einzeltakes zusammengeschnipselten produzierten Shortfilm zu unserem Road-Trip auf La Réunion an!!!!

                          

 

 

                                                                                      OUR STYLE . OUR ATTITUDE .

 von Franzi/Category: TRAVEL